Arbeitsgemeinschaft Boden

Bei der Entstehung und dem Erhalt der sehr dünnen Erdauflage auf Teilen unseres Planeten laufen komplexe Kreisläufe ab, die auch heute weder vollständig bekannt noch verstanden sind. Im Laufe der Geschichte gingen viele agrarisch geprägte Kulturen unter, weil der Boden durch die Bewirtschaftung verloren ging (Erosion, Brandrodung). 

Jede Form des Ackerbaus stellt eine Störung der Bodenstruktur und des Bodenlebens dar (v.a. der Mikroorganismen als wichtigster Bestandteil). 

Unser Ansatz soll deshalb sein, wie der Solawi-Boden bewirtschaftet werden kann mit minimaler Störung des Bodens, optimaler Förderung des Pflanzenwachstums, Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und das alles im Rahmen unserer Möglichkeiten und mit Blick auf die wirtschaftliche Machbarkeit. 

Mit diesen Zielen hat sich unsere Bodengruppe gegründet. 

 

In unserem Gründungstreffen am 19.12.19, haben wir dazu folgende Themen erarbeitet:

1. Pflugloses Arbeiten: 

Pflügen zerstört den Bodenaufbau und verändert radikal die Lebensbedingungen des Bodenlebens (v.a. der Mikroorganismen) 

-> Verzicht auf das Pflügen ganz oder weitgehend? 

2. Bodenverdichtung vermeiden: Festlegung und konsequente Nutzung fester Fahrgassen, Tragfähigkeit beachten (Wetter)

Wäre es machbar, eine kleinere Maschine einzusetzen? Passende Anbaugeräte? Holder?

3. Humusaufbau: 

Einbringung Mist, Grünschnitt, Kompost, Silage?

4. Kein offener Boden: Entweder Pflanzenbewuchs oder mulchen

5. Umgang mit Dürre und Wasserführung: Sind Ansätze von Agroforst möglich?

 

Unsere ersten Schritte:

• Bodenproben: Spatenprobe und chemische Analyse des Bodens (LUFA und nach Kinsey) 

• Absprache mit Bernd: Was ist an Materialien vorhanden (Mist, Grünschnitt, Kompost, Silage?)

• Erfassung der Zeigerpflanzen zur Bestimmung des Bodenzustands, siehe "Unsere Begleiter auf dem Acker"

• Erstellung eines Stoffdiagramms, um zu erfassen, welche Stoffe auf den Acker kommen, bzw. herausgezogen werden.

 

Zusammengefasst:

Wir möchten herausfinden:

- wie geht es unserem Boden?

- was hat er/ was fehlt ihm?

- welche Möglichkeiten haben wir, ihm Gutes zu geben?

 

Unsere Gruppe besteht aus Mitgliedern aus der Hanfer Hofgemüse Gemeinschaft mit ganz unterschiedlichen Fachgebieten.

Schau gerne immer wieder mal vorbei. Wie informieren hier regelmäßig über unsere Projekte & Ideen..


Am 17.04.2020 hat die Bodengruppe auf dem Hanfer Acker Bodenproben für eine chemische Analyse genommen. Vor ein paar Wochen haben wir den Boden schon mal mit einer Spatenprobe untersucht. Dabei wird in Stück Boden spatentief, also etwa 30 cm tief, ausgestochen und auf seine physikalischen und biologischen Eigenschaften hin untersucht. 

 

Dies die Kurzversion. Für alle, die mehr darüber wissen wollen, Folgendes: 

 

Eine Spatenprobe ist was für alle Sinne: Erstmal schaut man - Welche Pflanzen finden sich darauf (Zeigerpflanzen), krabbelt irgendwas, gibt es Regenwürmer (sehr wichtig für Strukturbildung, Humusbildung, Belüftung, Wasserhaltefähigkeit u.a.). Wichtig ist auch, bis in welche Tiefe sich Wurzeln und Bodenlebewesen aller Art finden. Die Farbe gibt Aufschluss über die Bodenart, über Humusanteile, aber auch über Störungen (grauer Boden weist auf Pseudovergleyung mit Staunässe, bzw. Wechselfeuchte hin). Der Geruch von gutem Ackerboden muss erdig sein (wer häts gedacht) und nicht moderig, schimmelig oder sonstwie unangenehm (Hinweise auf anaerobe Prozesse (ohne Sauerstoff), Fäulnis, Staunässe, fehlendes Bodenleben). Durch Trockenheit gestörter Boden kann muffig riechen. Last but not least sagt der Tastsinn viel über den Boden aus. Ist er locker und krümelig, ohne zu sandig zu sein? Lässt er sich zwischen den Handflächen zu Würstchen rollen (hoher Tonanteil)? 

 

Der Hanfer Ackerboden erschien uns bei unserer Spatenprobe von guter Struktur mit gesundem Bodenleben und überraschend hohem Humusanteil. Diesen können und sollten wir noch erhöhen und den Boden vor allem vor Verdichtung und Austrocknung schützen. 

 

Die Bodenproben für die chemische Analyse haben wir mit Bernds Bohrstock genommen. Diesen Metallstab hat an einem Ende einen Griff, am anderen Ende ist er auf ca. 20 cm hohl und halb offen. Wird er in den Boden gedrückt, bleibt die Erde in der Halbschale hängen (wenn nicht zu sandig oder trocken) und kann herausgekratzt und in einem Eimer aufgefangen werden. Das haben wir 60 Mal gemacht, auf zwei diagonalen Linien über den ganzen unteren Acker. Die jeweils 30 Proben einer Linie haben wir gemischt und in ein Probentütchen gefüllt, das bei der LUFA untersucht wird (schon wieder vergessen, was LUFA heißt). 

 

Die chemische Analyse sagt neben absoluten Werten wie beim Kohlenstoff (Hinweis auf den Humusgehalt) oder Spurenelementen wie Eisen und Magnesium vor allem etwas aus über Verhältnisse. Das reine Vorhandensein eines Stoffes hilft nämlich nichts, wenn die Pflanzenverfügbarkeit nicht gegeben ist, z.B. wegen eines zu niedrigen pH-Wertes. 

 

Und es bringt nichts, wenn z.B. große Mengen Stickstoff für das Wachstum da sind, die Spurenelemente aber fehlen. 

 

Deshalb sind wir gespannt auf die Ergebnisse unserer Probe, wollen aber zusätzlich noch eine Probe im Herbst machen nach einer Untersuchungsmethode, die mehr Gewicht auf diese Verhältnismäßigkeiten legen soll als die klassische LUFA-Untersuchung.

 

Dazu dann im Herbst mehr!